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Autor Thema: 2010 02 09 - Streit um Sowjetskulpturen auf der Žaliasis tiltas (Vilnius)  (Gelesen 1061 mal)
Jan
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Delpeda


« am: 10. Februar 2010, 08:33:00 »

Wenn ich das richtig verfolgt habe, stehen auf einer Brücke in Vilnius wohl ein paar Skulpturen aus der Sowjetzeit, die Russland wohl gern mal ein wenig aufhübschen, um nicht zu sagen: sanieren möchte. Litauen ist dagegen. Der Streit geht wohl schon ein Weilchen. Hier ein aktueller Artikel aus Lietuvos rytas. Wer weiß, vielleicht findet sich ja jemand für eine kleine Zusammenfassung auf Deutsch? Oder ein Ortskundiger, der die Dinger kennt?
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Das Bessere ist der Feind des Guten. (Voltaire)
apie mane: http://forum.litauen-info.de/index.php?topic=793.msg6942#msg6942
micha506
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« Antworten #1 am: 10. Februar 2010, 09:00:40 »

Hallo, der Streit um diese Skulpturen (http://www.flickr.com/photos/7802077@N05/3815713950/) geht schon seit vielen Jahren, einige sind für das Abreißen, andere für das Erhalten. Nun ist dieser Streit neu entbrannt, da es bei der Erhaltung um Investitionen geht und das die sowieso schwache Haushaltskasse zusätzlich belastet. Hier ist ein kurzer Artikel dazu: http://www.baltische-rundschau.eu/2010/02/09/vilnius-sowjetskulpturen-stellen-keinen-wert-dar/. Ich würde es schade finden, wenn die Skulpturen auf der Brücke verschwinden.
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Jan
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Delpeda


« Antworten #2 am: 10. Februar 2010, 09:13:07 »

Danke. Hat was von grutas parkas. Zwinkernd

Ich kann die Litauer schon gut verstehen, dass sie nicht begeistert sind. Weniger aus optischen, denn aus ideologischen Gründen.
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laarson
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« Antworten #3 am: 10. Februar 2010, 09:26:07 »

 Augen rollen ....was wäre denn wenn am berliner reichstag noch ein reichsadler aus adolfs zeiten hängen würde?

sind diese skulpturen denn eigentlich noch russ. staatsbesitz wenn russland bis heute die unabhängigkeit litauens nicht anerkannt hat?
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Then the seven angels who had the seven trumpets prepared to sound them
martynas
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"Meridianas" auf der Dange, Klaipeda/Memel


« Antworten #4 am: 10. Februar 2010, 14:23:27 »

...das gleiche Problem war doch vor 1-2 Jahren auch bei den Sowjetsternen an den Pfeilern der Aleksotasbrücke.
Ein Riesen Tamtam, die Dinger sollten lieber heut als morgen ab, aber es ist kein Geld dafür da.
Iki und die Statuen auf der grünen Brücke sind total kitschig,
M. Schockiert
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"Nichts ist stärker in der Welt, als eine Idee, für die die Zeit gekommen ist."
V. Hugo
Vanagas
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« Antworten #5 am: 10. Februar 2010, 18:55:01 »

micha506 :

Ganz kurze Frage :

Warum findest Du es schade wenn die Symbole einer fast 60jährigen Besetzung und Unterdrückung , die über hundertausend Litauern den Tod brachte , entfernt werden ?

Oder umkehrt :

Wie würdest Du Dich als Deutscher  nach einer ( fiktiven ) 60jährigen Besetzung und Unterdrückung , die 2 bis 3 Millionen Deutschen das Leben kostete , fühlen wenn ein Litauer das entfernen der Terrorsymbole in Deutschland " schade findet " ?

Ich glaube , Du würdest ein paar recht deutliche Worte finden .


Iki + das war alles andere als Kindergarten damals ,

                                                                                  STEF   
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micha506
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« Antworten #6 am: 20. September 2010, 22:22:31 »

micha506 :

Ganz kurze Frage :

Warum findest Du es schade wenn die Symbole einer fast 60jährigen Besetzung und Unterdrückung , die über hundertausend Litauern den Tod brachte , entfernt werden ?

Oder umkehrt :

Wie würdest Du Dich als Deutscher  nach einer ( fiktiven ) 60jährigen Besetzung und Unterdrückung , die 2 bis 3 Millionen Deutschen das Leben kostete , fühlen wenn ein Litauer das entfernen der Terrorsymbole in Deutschland " schade findet " ?

Ich glaube , Du würdest ein paar recht deutliche Worte finden .


Iki + das war alles andere als Kindergarten damals ,

                                                                                  STEF   


Warum, weil ich die Geschichte anders bewerte als Du hier geschildert hast. Es wurden im 2. Weltkrieg mehr Litauer durch Deutsche umgebracht, als durch Russen. Aber in diesem Fall ist es Kunst aus einer Epoche, die stattgefunden hat. Zeitgenössischer Realismus oder so in etwa. Und wenn Kunst zerstört wird, finde ich es immer schade, egal ob es Russen im 2. Weltkrieg waren, die Arbeiter 1917 oder eben heute jemand. In dieser Welt wurde (und wird) viel zu viel zerstört. Wird Zeit, das mal einer damit aufhört....
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Vanagas
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« Antworten #7 am: 21. September 2010, 00:18:17 »

Ich versuche es mal anders micha506 ,
versuch ' Dich mal in die Lage eines typischen Litauers , so um die Vierzig , zu versetzen :

- Opa bei Kampfhandlungen 1944 von Deutschen erschossen
- nach Kriegsende ein Teil der Familie geflüchtet ( nach Australien )
- Mutter wurde als Zehnjährige mit acht anderen Geschwistern für acht Jahre nach Sibirien deportiert
- das großelterliche Land + Haus ( kleiner Bauernhof ) weg
- Dein Land 50 Jahre occupiert mit allen Folgen für Deinen Lebenslauf
- keine Sau hat sich bei Dir , Deinem Land entschuldigt geschweige denn es gab Wiedergutmachung , Lastenausgleich , etc .

Diese Biographie finden wir bei allen Litauern . So - oder so ähnlich . Wir reden da über multiple Traumen die die Litauer bis in die zweite und dritte Nachgeneration erlitten haben und die bis heute tief in der litauischen Gesellschaft nachwirken .

Nee , ich weiß nicht wie das bei Dir aussieht aber ich hätte da keinen Bock mehr drauf auch nur irgendein Symbol der Unterdrückung zu sehen .

Und ob das Kunst ist , wage ich zu bezweifeln . Das ist Ideologie . Mit dem gleichen Argument könnten wir auch nationalsozialistische " Kunst " hängen lassen oder wieder aufhängen . Ist halt Kunst , regt Euch nicht auf .

Iki + wieso brauchst Du eigentlich solange zum antworten  Grinsend ?

                                                                                                   STEF

 
« Letzte Änderung: 21. September 2010, 00:43:59 von Vanagas » Gespeichert
Mad
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« Antworten #8 am: 21. September 2010, 08:54:40 »

Also ich finde ihr habt beide irgendwie recht... ich kann sowohl Micha´s als auch Vanagas Meinung vertreten...
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micha506
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« Antworten #9 am: 21. September 2010, 18:08:01 »

Ich versuche es mal anders micha506 ,
versuch ' Dich mal in die Lage eines typischen Litauers , so um die Vierzig , zu versetzen :

- Opa bei Kampfhandlungen 1944 von Deutschen erschossen
- nach Kriegsende ein Teil der Familie geflüchtet ( nach Australien )
- Mutter wurde als Zehnjährige mit acht anderen Geschwistern für acht Jahre nach Sibirien deportiert
- das großelterliche Land + Haus ( kleiner Bauernhof ) weg
- Dein Land 50 Jahre occupiert mit allen Folgen für Deinen Lebenslauf
- keine Sau hat sich bei Dir , Deinem Land entschuldigt geschweige denn es gab Wiedergutmachung , Lastenausgleich , etc .

Diese Biographie finden wir bei allen Litauern . So - oder so ähnlich . Wir reden da über multiple Traumen die die Litauer bis in die zweite und dritte Nachgeneration erlitten haben und die bis heute tief in der litauischen Gesellschaft nachwirken .

Nee , ich weiß nicht wie das bei Dir aussieht aber ich hätte da keinen Bock mehr drauf auch nur irgendein Symbol der Unterdrückung zu sehen .

Und ob das Kunst ist , wage ich zu bezweifeln . Das ist Ideologie . Mit dem gleichen Argument könnten wir auch nationalsozialistische " Kunst " hängen lassen oder wieder aufhängen . Ist halt Kunst , regt Euch nicht auf .

Iki + wieso brauchst Du eigentlich solange zum antworten  Grinsend ?

                                                                                                   STEF

 



Hatte gar nicht gemerkt, dass jemand auf meinen Beitrag geantwortet hatte, sorry!!

Zu dem Thema, man kann da natürlich vieles ins Spiel bringen und wenn man Hass will, findet man den immer.
In der Zeit der Besetzung Litauens durch Deutsche Truppen, wurden viele Juden in Vernichtungslager geschickt, von Deutschen
und (!!) Litauern. Haben sich die Litauer bei den Juden entschuldigt? Es passierten in der Geschichte dieser Welt (und passieren noch)
viele ungerechte Dinge, viele sehr schlimme. Aber soll man deshalb mit dem Vorschlaghammer durch die
Welt ziehen und alles zertrümmern was von den "anderen" erschaffen wurde? Die USA, die ja von Litauern sehr verehrt werden, haben
die Indianer fast ausgerottet. Sollen die Indianer (die restlichen) nun alle Denkmäler der damaligen Zeit zerstören?
Die damalige Macht, die in der Sowjetunion herrschte, hat Litauen unterdrückt, sind deshalb alle Russen schlecht? Ich erlebe
den Hass auf Russen schon lange in Litauen (bin ja schon seit 1995 hier), besonders auf die Sprache. Ich würde es
echt begrüßen, wenn man den Hass einmal ablegen könnte. Ich bin Deutscher, Deutschland hat in Russland, Polen
und vielen anderen Ländern unheimliches Leid und Unrecht angerichtet. Trotzdem bin ich nirgendwo schlecht
angesehen. Die Völker sehen in Deutschland und in den Deutschen keinen Feind mehr. Natürlich
darf alles, was passiert ist, nicht vergessen werden. Aber der Hass sollte begraben werden.

Ich will die Gefühle der Litauer nicht verletzen, aber ich würde es begrüßen, wenn ich ein wenig mehr Toleranz finden könnte.
Im Mai 2010 gab es auf dem Gedimino Prospekt eine Aktion für mehr Toleranz, ich bin also nicht allein :-)
http://tinyurl.com/3x5pwzb
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tfrisch99
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« Antworten #10 am: 24. September 2010, 11:24:19 »

Ich würde die 4 Statuen auf der Brücke auch erhalten. Und zwar ist dies einer der wenigen Orte, die durch diese Symbole daran erinnern, dass Litauen einmal durch die Russen bestezt war. Für mich war/ist es ein Mahnmal gegen dass Vergessen.

Würde man diese Symbole abreißen, müsste man konsequenterweise ja auch über den Abriss des heutigen KGB Museums nachdenken. Denn auch dies ist ein Symbol der Besatzerzeit. Und gerade bei diesem heutigen Museum ist es mir und auch vielen meiner Besucher eiskalt den Rücken runtergelaufen, wenn man den Gefängnistrakt besichtigt.

Also nicht alles verschwinden lassen, was an die Vergangenheit, und mag sie noch so krausig gewesen sein.

Ist in Berlin ähnlich, wo viel zu schnell alle Teile der mauer verschwanden. Und wünscht man sich dieses einmalige Symbaol zurück als Mahnmal.

iki
Thorsten, der auch 3 Jahre in Vilnius gelebt hat

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Marek
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sunset in Palanga


« Antworten #11 am: 24. September 2010, 13:25:41 »

Ich würde die 4 Statuen auf der Brücke auch erhalten. Und zwar ist dies einer der wenigen Orte, die durch diese Symbole daran erinnern, dass Litauen einmal durch die Russen bestezt war. Für mich war/ist es ein Mahnmal gegen dass Vergessen.
Würde man diese Symbole abreißen, müsste man konsequenterweise ja auch über den Abriss des heutigen KGB Museums nachdenken. Denn auch dies ist ein Symbol der Besatzerzeit.

Ich sehe das auch eher als Pflege der Erinnerungskultur und weniger als  eine Machtdemonstration der Russen.
Es kommt auf die Sichtweise des Betrachters an, welchen Symbolwert er den Statuen beimisst.

Ich denke nur an die vielen Mahnmale  in Deutschland, die an die Schreckensherrschaft der Nazis erinnern sollen.  Diese sind für einge Rechte ein Dorn im Auge, weil sie daran nicht mehr erinnert werden wollen.   
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Dein "Ja" sei wahr und rein,
Und wahr und rein dein "Nein".
                                               Baba Mezia, 49a
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