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Autor Thema: Baltikum: Scharnier zwischen EU und Russland  (Gelesen 553 mal)
Brot
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« am: 16. März 2010, 21:48:08 »

Scharnier zwischen EU und Russland
"Vor 20 Jahren läutete das Baltikum den Anfang vom Ende der Sowjetunion ein. Heute spielen Litauen, Estland und Lettland eine Schlüsselrolle für die Zukunft Europas..."
http://bazonline.ch/ausland/europa/Scharnier-zwischen-EU-und-Russland/story/16341368
Hier werden die drei baltischen Länder wild durcheinander geworfen, aber trotzdem interessant (und vor allem mal ein etwas positiver gestimmter Artikel).
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JøMa
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« Antworten #1 am: 17. März 2010, 09:38:10 »

Labas,

danke für den Tip, Brot!
Ich fand auch den (für mich ungewohnten) Schweizer Blickwinkel auf das Thema interessant!

Beste Grüße und iki,
--JøMa.
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Zu zweit unterwegs mit einem Audi 80 B2.
Mad
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« Antworten #2 am: 17. März 2010, 16:23:50 »

Interessant finde ich zur Zeit auch wieder die Nachrichten bei "Tagesschau vor 20 Jahren" auf ARD 1 Extra (täglich um 22.45 Uhr), wo immer mal wieder "aus aktuellem Anlass" darüber berichtet wird...
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Dziugas
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« Antworten #3 am: 17. März 2010, 21:33:48 »

Auch für mich war der Artikel interessant zu lesen. Die Balten aber mit dem Balkan zu vergleichen ist wohl eine sehr schweizerische Sicht auf die Region.

Einige Darstellungen waren mir vollkommen neu.

Dziugas
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Hilmar
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« Antworten #4 am: 18. März 2010, 20:06:00 »

Einige Darstellungen waren mir vollkommen neu.
Für mich auch. Z.B. diese:
Zitat
(...) Ronaldas Paksas (...)


Naja, jedem sein Ronaldo...

Zitat
Andere Regionen Europas mit grosser ethnischer Vielfalt versanken nach dem Ende der Diktatur in Bürgerkriegen, etwa der Balkan oder der Südkaukasus. Den Balten hingegen gelang es nach 1990 auf fast wundersame Weise, als demokratische Gesellschaften zu bestehen. Dabei konnten sie sich im Unterschied zu anderen «neuen Demokratien» auf eigene Erfahrungen zwischen den beiden Weltkriegen besinnen, als Staatsverfassungen nach dem Vorbild der Schweiz in Kraft waren.

Diese Passage ist grober Unfug. Zum einen ist heutzutage die große ethnische Vielfalt im Baltikum mit der Lupe zu suchen - die ist keineswegs größer als in anderen europäischen, demokratischen Ländern oder gar der Schweiz selbst. Zum anderen wirkt es fast zynisch, da eigentlich genau diese angesprochene Vielfalt - bezogen auf Litauen - im 20 Jahrhundert nahezu aufgelöst wurde. Wer von damals ist also in der Lage sich auf Erfahrungen zu besinnen? Wenn ich mir anschaue, dass vor allem die Eliten "ausgetauscht" wurden, Vilnius einem fast vollständigen Bevölkerungswechsel unterzogen wurde, dann frage ich mich wirklich, ob hier nicht etwas anders am Werke war als eine "wundersame Weise" oder "eigene Erfahrungen". Wenn man diesenKulturalismus fortschreiben würde, käme man wohl auch auf die Idee, dass es WK II-Kollaborateure zwar nicht gegeben hat, man dieses Themaaber aktiv diskutiert und sich vorsorglich bei möglichen Opfern entschuldigt hat.

Der Zynismus wirkt bezogen auf die anderen beiden Länder, besonders Estland nicht weniger. Estland schweigt die eklatanten sozialen (ethnischen?) Probleme mit der russischen Bevölkerung in Estland tot und versucht durch "Estnisierung" das Problem passiv zu lösen. Das funktioniert natürlich nicht zwischen Kohtla-Järve und Narva. Aber egal, die Straße gen Osten ist so schlecht, da kommt eh bald kein Westeuropäer mehr hin... Und in Tallinn werden die frustrierten Russen als rückwärtsgewandte, randalierende Massen bezeichnet, die nichts lieber tun würden als provokativ die russische Fahne auf Denkmälern zu hissen.

Eigentlich bleibt aus dem Textabschnitt nichts übrig, außer dass im Gegensatz zum Balkan und Kaukasus eine gewaltsame Auseinandersetzung, sprich Bürgerkrieg ausgeblieben ist.
« Letzte Änderung: 18. März 2010, 20:11:32 von Hilmar » Gespeichert

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Herkus
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« Antworten #5 am: 18. März 2010, 23:08:46 »

Zitat
Zitat
Andere Regionen Europas mit grosser ethnischer Vielfalt versanken nach dem Ende der Diktatur in Bürgerkriegen, etwa der Balkan oder der Südkaukasus. Den Balten hingegen gelang es nach 1990 auf fast wundersame Weise, als demokratische Gesellschaften zu bestehen. Dabei konnten sie sich im Unterschied zu anderen «neuen Demokratien» auf eigene Erfahrungen zwischen den beiden Weltkriegen besinnen, als Staatsverfassungen nach dem Vorbild der Schweiz in Kraft waren.

Diese Passage ist grober Unfug. Zum einen ist heutzutage die große ethnische Vielfalt im Baltikum mit der Lupe zu suchen - die ist keineswegs größer als in anderen europäischen, demokratischen Ländern oder gar der Schweiz selbst. Zum anderen wirkt es fast zynisch, da eigentlich genau diese angesprochene Vielfalt - bezogen auf Litauen - im 20 Jahrhundert nahezu aufgelöst wurde. Wer von damals ist also in der Lage sich auf Erfahrungen zu besinnen? Wenn ich mir anschaue, dass vor allem die Eliten "ausgetauscht" wurden, Vilnius einem fast vollständigen Bevölkerungswechsel unterzogen wurde, dann frage ich mich wirklich, ob hier nicht etwas anders am Werke war als eine "wundersame Weise" oder "eigene Erfahrungen". Wenn man diesenKulturalismus fortschreiben würde, käme man wohl auch auf die Idee, dass es WK II-Kollaborateure zwar nicht gegeben hat, man dieses Themaaber aktiv diskutiert und sich vorsorglich bei möglichen Opfern entschuldigt hat.

Der Zynismus wirkt bezogen auf die anderen beiden Länder, besonders Estland nicht weniger. Estland schweigt die eklatanten sozialen (ethnischen?) Probleme mit der russischen Bevölkerung in Estland tot und versucht durch "Estnisierung" das Problem passiv zu lösen. Das funktioniert natürlich nicht zwischen Kohtla-Järve und Narva. Aber egal, die Straße gen Osten ist so schlecht, da kommt eh bald kein Westeuropäer mehr hin... Und in Tallinn werden die frustrierten Russen als rückwärtsgewandte, randalierende Massen bezeichnet, die nichts lieber tun würden als provokativ die russische Fahne auf Denkmälern zu hissen.

Eigentlich bleibt aus dem Textabschnitt nichts übrig, außer dass im Gegensatz zum Balkan und Kaukasus eine gewaltsame Auseinandersetzung, sprich Bürgerkrieg ausgeblieben ist.


Naja, widersprichst Du Dir da nicht ein bisschen? Eine große ethnische Vielfalt muß man im Baltikum nicht mit der Lupe suchen, angesichts von russischen Minderheiten von 29 % (Lettland) oder 26% (Estland). Im zweiten Absatz bennenst Du ja gerade das Problem der negativen Auseinandersetzung mit eben jenen großen Minderheiten.  In anderen demokratischen, europäischen Demokratien gibt es kaum solch große nationale Minderheiten, mit Ausnahme des Balkans. In Belgien und der Schweiz als den einzigen multi-nationalen Staaten Westeuropas gibt es ja auch kein eigentliches Staatsvolk, sondern ein gleichberechtigtes Miteinander mehrerer verschiedensprachiger Bevölkerungsgruppen, die nicht zugewandert oder verpflanzt wurden, sondern sich zu Zweckgemeinschaften zusammengeschlossen haben. 
Was also soll an dem schweizerischen Artikel grober Unfug sein Huch Dass die baltischen Staaten in der Zwischenkriegsphase Staatsverfassungen nach schweizerischen Vorbild hatten?  Auch das stimmt, wobei die einzige Ausnahme hier immer Litauen spielt: Als einziger baltischer Staat haben sie heutzutage keine so große Minderheiten Probleme, hatten sie aber in der Zwischenkriegszeit mir der großen deutschen Minderheit im annektierten Memelland. Als einziger baltischer Staat entwickelten sie sich dann unter Antanas Smetona ab 1926 zur Diktatur, und kehrten von ihrer bisherigen Verfassung ab. Das alles aber immer relativ gewaltlos, wenn man von der Besetzung des französisch verwalteten Memellandes mal absieht.
Trotzdem ging alles im Gegensatz zu noch nicht allzu weit zurückliegenden Verhältnissen auf dem Balkan, immer relativ friedlich und fast ohne Blutvergießen ab!
« Letzte Änderung: 18. März 2010, 23:15:58 von Herkus » Gespeichert
Hilmar
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« Antworten #6 am: 19. März 2010, 00:26:10 »

Naja, widersprichst Du Dir da nicht ein bisschen? Eine große ethnische Vielfalt muß man im Baltikum nicht mit der Lupe suchen, angesichts von russischen Minderheiten von 29 % (Lettland) oder 26% (Estland). Im zweiten Absatz bennenst Du ja gerade das Problem der negativen Auseinandersetzung mit eben jenen großen Minderheiten.  
Es besteht ein Unterschied zwischen zwei großen Bevölkerungsgruppen und einer ethnischen Vielfalt. Die Beispiele Lettland und Estland hast Du selbst genannt - zusammen mit der ethnischen Majoritatät ergibt sich eine Bevölkerungszusammensetzung, die überweigend aus zwei Staaten besteht. Dies halte ich für keine große Vielfalt. in Litauen gab es eine große Vielfalt, als es Litauer, Polen, Juden, Deutsche, Weißrussen, Russen etc. gab. Vielfalt bedeutet also nicht gleichzeitig einen hohen Ausländeranteil einer Ethnie. Von daher: Einwand abgelehnt.
« Letzte Änderung: 19. März 2010, 00:35:04 von Hilmar » Gespeichert

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Hilmar
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« Antworten #7 am: 19. März 2010, 00:34:34 »

Was also soll an dem schweizerischen Artikel grober Unfug sein Huch Dass die baltischen Staaten in der Zwischenkriegsphase Staatsverfassungen nach schweizerischen Vorbild hatten?  Auch das stimmt, wobei die einzige Ausnahme hier immer Litauen spielt: Als einziger baltischer Staat haben sie heutzutage keine so große Minderheiten Probleme, hatten sie aber in der Zwischenkriegszeit mir der großen deutschen Minderheit im annektierten Memelland. Als einziger baltischer Staat entwickelten sie sich dann unter Antanas Smetona ab 1926 zur Diktatur, und kehrten von ihrer bisherigen Verfassung ab. Das alles aber immer relativ gewaltlos, wenn man von der Besetzung des französisch verwalteten Memellandes mal absieht.
In Litauen konnten Russen ja auch ohne große Probleme die litauische Staatsbürgerschaft annehmen. Das Problem stellte sich daher nicht. In Litauen ging man nicht in demselben Maße gegen Minoritäten vor wie in den anderen beiden baltischen Ländern. Deutsche spielen schon seit Jahrzehnten keine Rolle mehr als Bewohner des heutigen Litauen. Auch dies ist ein Beleg dafür, dass es keine Erfahrungen mit vielem Ethnien im Lande gibt. Die Litauer sehen sich selbst und ansonsten niemanden im eigenen Lande.
« Letzte Änderung: 19. März 2010, 00:36:32 von Hilmar » Gespeichert

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Herkus
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« Antworten #8 am: 19. März 2010, 09:17:00 »

Naja, widersprichst Du Dir da nicht ein bisschen? Eine große ethnische Vielfalt muß man im Baltikum nicht mit der Lupe suchen, angesichts von russischen Minderheiten von 29 % (Lettland) oder 26% (Estland). Im zweiten Absatz bennenst Du ja gerade das Problem der negativen Auseinandersetzung mit eben jenen großen Minderheiten.  
Es besteht ein Unterschied zwischen zwei großen Bevölkerungsgruppen und einer ethnischen Vielfalt. Die Beispiele Lettland und Estland hast Du selbst genannt - zusammen mit der ethnischen Majoritatät ergibt sich eine Bevölkerungszusammensetzung, die überweigend aus zwei Staaten besteht. Dies halte ich für keine große Vielfalt. in Litauen gab es eine große Vielfalt, als es Litauer, Polen, Juden, Deutsche, Weißrussen, Russen etc. gab. Vielfalt bedeutet also nicht gleichzeitig einen hohen Ausländeranteil einer Ethnie. Von daher: Einwand abgelehnt.

Achso. Na dann guck Dir nochmal genau die anderen ethnischen Minderheiten in den baltischen Staaten an (Tipp: Wikipedia). Gegenüber westeuropäischen Verhältnissen kann man da meiner Meinung nach durchaus von ethnischer Vielfalt sprechen, auch wenn es sich nur um eine oder einige wenige Ethnien handelt.
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Herkus
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« Antworten #9 am: 19. März 2010, 09:35:14 »

Was also soll an dem schweizerischen Artikel grober Unfug sein Huch Dass die baltischen Staaten in der Zwischenkriegsphase Staatsverfassungen nach schweizerischen Vorbild hatten?  Auch das stimmt, wobei die einzige Ausnahme hier immer Litauen spielt: Als einziger baltischer Staat haben sie heutzutage keine so große Minderheiten Probleme, hatten sie aber in der Zwischenkriegszeit mir der großen deutschen Minderheit im annektierten Memelland. Als einziger baltischer Staat entwickelten sie sich dann unter Antanas Smetona ab 1926 zur Diktatur, und kehrten von ihrer bisherigen Verfassung ab. Das alles aber immer relativ gewaltlos, wenn man von der Besetzung des französisch verwalteten Memellandes mal absieht.
In Litauen konnten Russen ja auch ohne große Probleme die litauische Staatsbürgerschaft annehmen. Das Problem stellte sich daher nicht.
Das ist glaube ich ein bisschen zu einfach. In dem man eine andere Ethnie einfach einbürgert, verschwinden nicht die Probleme (Sprache, soziale Integration, usw). Auf dem Papier ist man zwar litauischer Staatsbürger, aber man bleibt trotzdem "anders" als die Mehrheit. Ohne die Breitschaft auf beiden Seiten, sich anzupassen und aufeinander zuzugehen, wird das auch immer so bleiben, trotz Staatsbürgerschaft.
Zitat
In Litauen ging man nicht in demselben Maße gegen Minoritäten vor wie in den anderen beiden baltischen Ländern. Deutsche spielen schon seit Jahrzehnten keine Rolle mehr als Bewohner des heutigen Litauen. Auch dies ist ein Beleg dafür, dass es keine Erfahrungen mit vielem Ethnien im Lande gibt. Die Litauer sehen sich selbst und ansonsten niemanden im eigenen Lande.
Das Deutsche heutzutage keine Rolle mehr spielen hat ja auch niemand bezweifelt. Die Vertreibung der deutschen und polnischen Minderheiten ist ja auch mehr den Sowjets, als den Litauern selbst anzulasten. Der Umgang mit der polnischen Minderheit scheint aber wohl nachwievor ein Problem zu sein. Auf der anderen Seite muss man einem Land, das erst seit 20 Jahren demokratisch ist, und nicht die Erfahrung und "Vorsprung" der westeuropäischen Gesellschaften hat, auch etwas Zeit in der Entwicklung von demokratischen Werten und Traditionen lassen. Das nationale Element war in Litauen schließlich in den Zeiten der Besetzung und Unterdrückung für das Überleben der litauischen Kultur verantwortlich. Von dieser sehr nationalen Sicht muss man sich nun im Laufe der europäischen Integration langsam verabschieden, aber das geht nicht von heute auf morgen.
Das muss aber auch kein spezifisch baltisches Problem sein. Frankreich z.B. hat mit der Anerkennung und Förderung von Minderheiten auch schon immer Probleme gehabt (Bretonen, Basken, Elsässer, usw)
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