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Autor Thema: Re: Lebensverhältnisse in Litauen  (Gelesen 1596 mal)
Tirza
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« am: 01. Januar 1970, 01:00:03 »

Meine Erfahrung ist, das gerade in den ländlichen Gebieten die Lebensverhältnisse katastrophal sind. Arbeitslosigkeit bis zu 90 % spricht wohl Bände.
Im städtischen Bereich kann man wirklich alles kaufen. Leider können die wenigsten Litauer sich das wirklich leisten. Um Überleben zu können, benötigt eine litauische Familie ca 450 Lit. Eine Bekannte arbeitet z. B. bei Maxima: 6 Tage die Woche ca 60 Stunden. Sie verdient gerade mal 320 Lit.
Viele Familien halten sich durch Landwirtschaft (Möhren, Kartoffeln, Kuh, Hühner) über Wasser. Brot ist sehr günstig, Eier kosten wie in Deutschland: 10 Stück 3 Lit.

Beliebte Mitbringsel sind Cappuccino für die Erwachsenen und Süßigkeiten für die Kinder. Auch sind Stifte und Hefte für Schulkinder sehr angebracht.
Fettnäpfchen sind mir persönlich in Litauen noch nicht begegnet. Du kannst mit älteren Litauern auch gerne russisch sprechen. Sie sind einfach glücklich wenn man sich verständigen kann.

Wir sind immer mit dem eigenen PKW unterwegs und übernachten nur privat. Von daher kann ich Deine letzten Fragen leider nicht beantworten.

Wir fahren übrigens Anfang Oktober wieder nach Litauen und wir freuen uns schon soooo sehr. Ein Teil unseres Herzens ist immer in Litauen
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Stefan D.
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« Antworten #1 am: 01. Januar 1970, 01:00:06 »

Leider kann ich das vorher geschriebene in vielen Punkten nur bestätigen. War alleine dieses Jahr bereits 6 x in LT und wundere mich jedes mal aufs Neue, wie die Leute dort oft überleben. Die Gastronomie ist "relativ" günstig, beim alltäglichen Leben ist es verschieden. Natürlich ist manches günstiger als bei uns im Westen - aber leider ist vieles auch gleich teuer oder teurer - und das bei einem minimalen Gehalt. Und trotzdem wimmelt es in den IKI und MAXIMA Märkten nur so vor Leuten. Muß bei meiner nächsten Fahrt nach LT sogar Zucker mitbringen - dort kostet das Kilo scheinbar LTL 3,70 bei uns umgerechnet LTL 1,7 (€ 0,44). Irgendwie schon verrückt die Welt. Bei vielen Sachen kann man die Preise 1 zu 1 (LTL / €) gegenrechnen. Kostet bei uns in Österreich ein Bier im Gasthaus € 3,--, in LT sind es LTL 2,5 bis 3,--. Würde ich mit einem Litauer ein internationales Wetttrinken veranstalten - ich würde mit meinem Zahltag 6 x so viel Bier bekommen wie er !!! Also, irgendwie stimmt das Verhältnis nicht ... (... ist also doch nicht so schlecht bei uns ... *g*). Bei Bedarf fallen mir sicher noch ein paar andere Beispiele ein.
(Diese Nachricht wurde am 06.09.04 um 22:51 von pajast geändert.)
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Sabri
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« Antworten #2 am: 01. Januar 1970, 01:00:07 »

Ich danke Euch für die vielen Hinweise. Sie sind sehr hilfreich für mich.
Zum Teil kann ich diese Gegensätze gut nachvollziehen. Ich bin ja aus dem Ostteil Deutschlands und kenne ähnlich verschobene Relationen kurz nach der Wendezeit. Da hat mich ein Jogurt auch 2,10 M gekostet. Rechnet man das mal 5 DM (Umrechnungskurs) so hatte ich für 10,00 M einen Jogurt gegessen und das bei einem Verdienst von 500,00 M!
Ich hoffe, dass sich das für die Litauer bald etwas ändern wird und sich zur "Freiheit" auch mehr Wohlstand gesellt. Sie haben es verdient.
(Wir im Osten Deutschlands hatten es hierbei sehr viel leichter, muss man ehrlich sagen.)
Ich werde wahrscheinlich im Frühjahr 2005 nach 23 Jahren das erste Mal wieder hierherfahren. Ich habe nach dieser langen Zeit einen guten alten Freund über das Internet wiedergefunden. Ein bisschen beneide ich die "Anfang-Oktober-Fahrer" und wünsche erholsame Ferien und nochmals vielen Dank für die Erfahrungswerte.

Eine Frage hätte ich noch:
Sind Autos eigentlich überall so "gefährdet", wie es das Auswärtige Amt beschreibt?

Wer noch ein paar Tips und Erfahrungen hat, möge mir doch bitte schreiben.

Sabrina
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« Antworten #3 am: 01. Januar 1970, 01:00:07 »

Irgendwie bin ich immer ein bisschen stolz auf die Litauer. Vor allem auf die Litauerinnen. Sie schaffen es meistens trotz wenig Geld so auszusehen als ob sie gerade vom Laufsteg kämen. Unsere Wessi-Damen können sich da manche Scheibe abschneiden...
Im Klartext: Geld hat nichts mit gutem Geschmack und Sinn für Ästhetik zu tun. Vielleicht liegt's ja auch an dem geringen Einkommen warum die Frauen so schlank und attraktiv sind. Da isst man eben weniger und spart das Geld für geile Klamotten Zwinkernd

Jetzt aber im Ernst:
Es gibt ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Oder sagen wir es mal so. In den Stadtkernen sieht man nicht so viel "Elend" (das beschränkt sich hier mehr auf die randbezirke). Hier trifft man vorwiegen die "Erfolgreichen" oder die die sich dafür halten. Man zeigt sich. Präsentiert Handy und Digitalkamera und ist gut gekleidet.

In den ländlichen Gebieten wird nicht so viel Schau betrieben. Hier sieht man vor allem viele Männer um die Kiosks stehen und bereits morgens schon Bier tinken. Ich nenne es immer "den Frust runter spülen". Nicht umsonst hat Litauen die höchste Suizidrate in Europa. Oder sogar der ganzen Welt? Ich weiß es nicht mehr so genau. Die Arbeitslosenquote ist hoch, da muss man sich schon morgens "gute Laune" kaufen.

Wenn ich sehe, wie das Haushaltseinkommen meiner Schwiegereltern ist, würde mir das in Deutschland nicht einmal reichen die Krankenversicherung zu bezahlen. Trotzdem schaffen Sie es immer wieder sich auch Luxus wie z.B. einen neuen Fernseher, eine Spülmaschine oder oder zu kaufen. Ich bewundere das immer wieder. Ich hätte bei so wenig Einkommen schon längst meinen persönlichen Bankrott erklärt.

Als Litauer muss man wissen wie man wo Geld sparen kann. Viele Sparmöglichkeiten wurden nun durch die EU "drastisch eingedämmt". So wird nun z.B. Benzin und Diesel teurer. Viele Leute fahren alte "Kutschen". Vorwiegend Diesel, weil's am günstigsten ist. Es trifft also wieder den kleinen Mann. Auch Lebensmittel werden so langsam teuer. Was immer noch günstig ist, sind die Grundnahrungsmittel. Ich habe z.B. gehört, dass man versucht hat, holländisches Obst und Gemüse in litauischen Supermärkten zu verkaufen. Ohne Erfolg. Jetzt gibt's wieder "Produced in Lithuania". Aciu dieve! Der Litauer bzw. die Litauerin weiß sehr wohl was man wo günstig kaufen kann. Die "Erfolgreichen" kaufen im Maxima. Hier gibt's alles. Ist meistens voll. Vor allem am Wochenende. Die Rentner und weniger gut finanziell ausgestatteten auf dem (Bauern-)Markt. Dort gibt's übrigens mit Abstand das beste Obst und Gemüse. Ungespritzt in Ökoqualität. Z.B. ein 20 Liter-Eimer mit Heidelbeeren umgerechnet 10 EUR. Würde bei uns ein Vermögen kosten. Milch kostet nur ein paar Cent und wird noch gebracht. Bei unseren Bauern undenkbar. Was wäre das für ein Gejammere. Da wäre doch tatsächlich der Benz neben dem Kuhstall gefährdet.

Wer allerdings nach Weststandard leben möchte, muss auch Weststandard bezahlen. Beispiel: T-Shirt von Utenos Trikotazas (vergleichbar mit unserem Trigema) kostet zwischen 30 und 50 LTL, T-Shirt von Nike, gleiche Qualität 99 LTL. Wir haben bei Utenos Trikotazas jede Menge Klamotten für unsere Kleine eingekauft. Super Qualität für mindestens der Hälfte des vergleichbaren Westpreises. Meistens sogar mehr. Und... weil wir so viel gekauft haben, haben wir sogar noch den neuesten Harry Potter dazu geschenkt bekommen. So ist das auch mit Elektroartikeln. Man kann den Kühlschrank von Siemens oder vom litauischen Hersteller Snaige kaufen je nach Gusto und Geldbeutel.

Alles in allem. Man kann auch bei uns bei C&A, H&M und Co. oder bei D&G kaufen. Bei Aldi oder im Feinkostladen. Je nach Ambition und Geldbeutel. So ist das auch in Litauen. Auch bei uns gibt's nicht nur Wohlhabende. Man muss eben wissen was wo geht. Bleibt nur zu hoffen, dass sich mit den steigenden Preisen in Litauen auch die Löhne anpassen. Das Wirtschaftswachstum ist schon beispielhaft. Wenn man so durchs Land fährt ist man überrascht wo überall erneuert, neu gebaut oder verschönert wird. Man merkt eine kleine Aufbruchstimmung und wünscht den Litauern, dass sie nicht enttäuscht werden und auch einen kleinen Happen vom großen Kuchen Europa erwischen dürfen. Je eher je lieber.

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stephmax
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« Antworten #4 am: 01. Januar 1970, 01:00:07 »

Ich kann den Ausführungen unseres Admins nur beipflichten. Die gleichen Beobachtungen habe ich auch gemacht.

Was mir noch aufgefallen ist, ist der Zusammenhalt der Litauer, bei denen wäscht tatsächlich noch eine Hand die andere - das hilft auch sparen.
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Der Tag hat 24 Stunden - und dann kommt noch die Nacht dazu...
Tirza
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« Antworten #5 am: 01. Januar 1970, 01:00:08 »

Sind Autos eigentlich überall so "gefährdet", wie es das Auswärtige Amt beschreibt?

Ich würde sagen: JA

Uns ist schon ein alter BMW geklaut worden (vom Hof) und einmal sollte ein Passat geklaut werden, allerdings lag da eine Freundin drin und somit nahm der Dieb Abstand.
Ich würde Dir raten, den Wagen nach Möglichkeit nachts "unsichtbar" in Garage oder Schuppen abzustellen. Wenn Du tagsüber unterwegs bist immer eine Wegfahrsperre dranmachen!

Du darfst mich Oktoberfahrer gerne beneiden. Trotz des ganzen Elends ist Litauen ein Traum
Viele Grüße
Tirza
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Sabri
Gast
« Antworten #6 am: 01. Januar 1970, 01:00:08 »

Herzlichen Dank, dass ihr Zeit gefunden habt, mir Eure sehr ausführlichen Erfahrungen mitzuteilen. Ich freue mich sehr darüber und hoffe auch bald im Forum richtig "mitreden" zu können.

Sabri
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Lijana
Gast
« Antworten #7 am: 01. Januar 1970, 01:00:09 »


Zitat
Da isst man eben weniger und spart das Geld für geile Klamotten  

das hat gepasst, wie Faust aufs Auge...traurig, aber wahr, sehr wahr. Das ist in Deutschland genau umgekehrt, denke ich.

Und
nicht nur Cappuccino, sondern ehe guter Kaffee ist sehr gefragt als Mitbringsel...die Litauer(alle die mir über den Weg gelaufen sind) trinken ihn ehe merkwürdig...halt wie Cappuccino- Löffel in die Tasse, Wasser drauf und trinken...igit
Und
Autos sind gefährdet,klar, nur...wenn jemand dein Auto haben möchte, dann hilft dir keine Garage und keine Tore, ehrlich, da habe ich schon zu viele Geschichten gehört.
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Sabri
Gast
« Antworten #8 am: 01. Januar 1970, 01:00:09 »

Danke Lijana, ich hatte gehofft bezüglich meiner Fragen von dir  etwas zu hören, als "Kenner".

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Sabri
Gast
« Antworten #9 am: 01. Januar 1970, 01:00:20 »

Wer kann mir ein wenig über die derzeitigen Lebensverhältnisse der Litauer erzählen. Mein letzter Besuch war hier vor 23 Jahren und ich glaube, ich fahre bald wieder hin ... Doch sicher hat sich hier alles geändert.
Wie ist das Verhältnis der Einkommen zu den Lebenshaltungskosten?
In einem Fernsehbericht sagte man, dass es hier viele Gechäfte westlicher Marken gäbe, aber kaum einer könne sich das leisten. Ist das wirklich so?

Gibt es Fettnäpfchen für deutsche Touristen? Außer, dass man natürlich nicht russisch redet.
Was sind beliebte Mitbringsel? Oder anders gefragt, was mögen die Litauer am liebsten?
Naja usw. usw.
Wie kommt man am günstigsten quer durch's Land?
(Die Hotelpreise sind schon recht ordentlich oder?)

Ich danke denen, die mir antworten
Viele Grüße
Sabri







(Diese Nachricht wurde am 20.08.04 um 17:38 von Sabri geändert.)
(Diese Nachricht wurde am 20.08.04 um 17:38 von Sabri geändert.)
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