Irgendwie bin ich immer ein bisschen stolz auf die Litauer. Vor allem auf die Litauerinnen. Sie schaffen es meistens trotz wenig Geld so auszusehen als ob sie gerade vom Laufsteg kämen. Unsere Wessi-Damen können sich da manche Scheibe abschneiden...
Im Klartext: Geld hat nichts mit gutem Geschmack und Sinn für Ästhetik zu tun. Vielleicht liegt's ja auch an dem geringen Einkommen warum die Frauen so schlank und attraktiv sind. Da isst man eben weniger und spart das Geld für geile Klamotten

Jetzt aber im Ernst:
Es gibt ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Oder sagen wir es mal so. In den Stadtkernen sieht man nicht so viel "Elend" (das beschränkt sich hier mehr auf die randbezirke). Hier trifft man vorwiegen die "Erfolgreichen" oder die die sich dafür halten. Man zeigt sich. Präsentiert Handy und Digitalkamera und ist gut gekleidet.
In den ländlichen Gebieten wird nicht so viel Schau betrieben. Hier sieht man vor allem viele Männer um die Kiosks stehen und bereits morgens schon Bier tinken. Ich nenne es immer "den Frust runter spülen". Nicht umsonst hat Litauen die höchste Suizidrate in Europa. Oder sogar der ganzen Welt? Ich weiß es nicht mehr so genau. Die Arbeitslosenquote ist hoch, da muss man sich schon morgens "gute Laune" kaufen.
Wenn ich sehe, wie das Haushaltseinkommen meiner Schwiegereltern ist, würde mir das in Deutschland nicht einmal reichen die Krankenversicherung zu bezahlen. Trotzdem schaffen Sie es immer wieder sich auch Luxus wie z.B. einen neuen Fernseher, eine Spülmaschine oder oder zu kaufen. Ich bewundere das immer wieder. Ich hätte bei so wenig Einkommen schon längst meinen persönlichen Bankrott erklärt.
Als Litauer muss man wissen wie man wo Geld sparen kann. Viele Sparmöglichkeiten wurden nun durch die EU "drastisch eingedämmt". So wird nun z.B. Benzin und Diesel teurer. Viele Leute fahren alte "Kutschen". Vorwiegend Diesel, weil's am günstigsten ist. Es trifft also wieder den kleinen Mann. Auch Lebensmittel werden so langsam teuer. Was immer noch günstig ist, sind die Grundnahrungsmittel. Ich habe z.B. gehört, dass man versucht hat, holländisches Obst und Gemüse in litauischen Supermärkten zu verkaufen. Ohne Erfolg. Jetzt gibt's wieder "Produced in Lithuania". Aciu dieve! Der Litauer bzw. die Litauerin weiß sehr wohl was man wo günstig kaufen kann. Die "Erfolgreichen" kaufen im Maxima. Hier gibt's alles. Ist meistens voll. Vor allem am Wochenende. Die Rentner und weniger gut finanziell ausgestatteten auf dem (Bauern-)Markt. Dort gibt's übrigens mit Abstand das beste Obst und Gemüse. Ungespritzt in Ökoqualität. Z.B. ein 20 Liter-Eimer mit Heidelbeeren umgerechnet 10 EUR. Würde bei uns ein Vermögen kosten. Milch kostet nur ein paar Cent und wird noch gebracht. Bei unseren Bauern undenkbar. Was wäre das für ein Gejammere. Da wäre doch tatsächlich der Benz neben dem Kuhstall gefährdet.
Wer allerdings nach Weststandard leben möchte, muss auch Weststandard bezahlen. Beispiel: T-Shirt von Utenos Trikotazas (vergleichbar mit unserem Trigema) kostet zwischen 30 und 50 LTL, T-Shirt von Nike, gleiche Qualität 99 LTL. Wir haben bei Utenos Trikotazas jede Menge Klamotten für unsere Kleine eingekauft. Super Qualität für mindestens der Hälfte des vergleichbaren Westpreises. Meistens sogar mehr. Und... weil wir so viel gekauft haben, haben wir sogar noch den neuesten Harry Potter dazu geschenkt bekommen. So ist das auch mit Elektroartikeln. Man kann den Kühlschrank von Siemens oder vom litauischen Hersteller Snaige kaufen je nach Gusto und Geldbeutel.
Alles in allem. Man kann auch bei uns bei C&A, H&M und Co. oder bei D&G kaufen. Bei Aldi oder im Feinkostladen. Je nach Ambition und Geldbeutel. So ist das auch in Litauen. Auch bei uns gibt's nicht nur Wohlhabende. Man muss eben wissen was wo geht. Bleibt nur zu hoffen, dass sich mit den steigenden Preisen in Litauen auch die Löhne anpassen. Das Wirtschaftswachstum ist schon beispielhaft. Wenn man so durchs Land fährt ist man überrascht wo überall erneuert, neu gebaut oder verschönert wird. Man merkt eine kleine Aufbruchstimmung und wünscht den Litauern, dass sie nicht enttäuscht werden und auch einen kleinen Happen vom großen Kuchen Europa erwischen dürfen. Je eher je lieber.