Hallo liebe Mitglieder,
bin hier heute zufällig herein gestolpert als ich auf der Suche nach litauischen Restaurants war.
Also habe ich mich registriert und auch schon eifrig im Forum gelesen und möchte mich nun vorstellen.
Im März 2002 war ich als Praktikant zum ersten Mal in Litauen. Keine Ahnung von Land und Sprache
aber genau das war die Herausforderung an der Sache. Ich habe also 3 Monate in LT gelebt und
gearbeitet. In der 2. Woche hatte ich auch ein Mädel kennen gelernt. Wir waren kein Paar sondern einfach
nur Freunde. Über sie hatte ich dann auch einen Einblick in das Leben des einfachen Litauers.
War bei vielen Familienfesten, saß auf dem Markt beim verkaufen mit dabei und habe mich von allen anderen
Deutschen die in Vilnius leben fern gehalten um meine Fortschritte in der Sprache nicht zu gefährden.
Ende Mai ging es dann schweren Herzens wieder nach Deutschland

Dann kam im März 2003 ein Anruf der Firma bei der ich in Vilnius gearbeitet hatte mit der Bitte für
3 Wochen erneut nach Litauen zu kommen um ihr Computernetzwerk sowie die Internetseiten auf Vordermann
zu bringen. Natürlich sagte ich gleich zu, einen Tag später war das Ticket per Express da und noch 1 Tag
später war ich wieder glücklich in Litauen.
Aus den 3 geplanten Wochen wurden aber dann 5 3/4 Jahre!
Das war so: Als ich in Vilnius glücklich meine Netzwerke konfigurierte hatte ein Firmenbesitzer der ein Freund
meines Chefs war Probleme einen technisch versierten deutsch sprechenden Mitarbeiter zu finden.
Also habe ich dort angerufen, mir die Firma angesehen und einen Arbeitsvertrag unterschrieben.
Da die Firma in Lentvaris (einem üblen kleinen Nest in dem man Nachts besser mit verschlossener Türe sitzt)
war habe ich mich dazu entschlossen dort zu wohnen. Nach 13 Monaten hatte ich jedoch genug und bin in
meine heimliche litauische Hauptstadt, Trakai, gezogen.
Und dort habe ich dann meine Zeit verbracht. Irgendwann kannte ich den ganzen Ort - vom Bürgermeister
bis zur Putzfrau des Supermarkts. War bei Kartoffelaussaat und Ernte auf abgelegenen Dörfern genauso
dabei wie in Trakai beim Mittelalter Fest oder in Vilnius zufällig bei einem Fest mit Brasauskas einen trinken.
Ferngehalten habe ich mich aber immer von allen Deutschen um nicht zu viel in meiner Sprache zu sprechen
sondern NUR litauisch - außer natürlich am Telefon mit unseren deutschen Kunden.
Auf einer Hochzeitsfeier habe ich dann auch noch eine nette Dzuke gefunden mit der ich jetzt 3 Jahre zusammen
und davon 1 Jahr verlobt bin.
Die Krise zwang mich dann unschön wieder nach Deutschland zu fahren aber ich bin immer noch regelmäßig
in LT. Ohne könnte ich nicht mehr leben

Was ich in Litauen gelernt habe:
- Es ist ein sehr schönes Land mit sehr netten Menschen (Ausnahme: Finger weg von Lentvaris!)
-Das beste Gesetz der Welt: Fällt ein Feiertag auf ein Wochenende wird er am nächsten darauf folgenden
Werktag nachgeholt.
- Solche Wochenenden sind in LT nicht gerade gut für die Gesundheit

Ich sage nur auf Dorf fahren, Pirtis, saslikai su salotom ir auksine degtine von Freitag bis Montag ist so lustig wie wirklich wirklich ungesund

- Was in Litauen ein Schnapsglas ist bezeichnet man bei uns Eimer

-T rakai ist der schönste Ort der Welt für mich.
- Litauisches Essen ist einfach Spitze!
- Das Land hat jedoch einen Nachteil. Sehe aus wie ein Europäer und du wirst akzeptiert - besonders als Deutscher. Sei aber bloß kein Schwarzer, Asiate, Muslim, Jude, Schwuler oder sonst irgendwas was
sie sonst nicht kennen. Ein sehr großer Teil der Bevölkerung ist absolut intolerant!
So und jetzt habe ich einen halben Roman geschrieben aber vielleicht sind ja nicht alle eingeschlafen dabei.
Würde mich freuen wenn jemandem mein kleiner Bericht gefallen hat.
Für die die litauisch lesen hab ich hier noch ein schönes Andenken aus dieser Zeit:
www.schupp.lt/trakaiFest.JPG Da haben ein Freund und ich jedes Jahr Brot gebacken.
Also: iki kol kas ir labanakt
